Japan: Verhalten am Arbeitsplatz

 

Vieles vom dem was wir über die allgemeine verbale und non-verbale Kommunikation gesagt haben gilt auch und im besonderen für den Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der japanischen Partnerfirmen. Auch hier gilt Harmonie und Bescheidenheit sind die obersten Gebote.

Ein typisch japanisches Büro ist ein Großraumbüro mit überquellenden Tischen und praktisch keiner Privatsphäre. Nur Personen mit sehr hohen Posten - oder solche die am Ende ihrer Karriere angelangt sind und einen sogenannten "Fensterplatz" haben, also der Kommunikation innerhalb der Gruppe nicht mehr bedürfen - haben private Büros. Die Möglichkeit innerhalb der Gruppe zu kommunizieren ist äußerst wichtig. Nur als Gruppe kann man ein vorgegebenes Ziel erreichen.

Obwohl es sich langsam ändert, hat der Japaner im allgemeinen einen Arbeitsplatz auf Lebenszeit; dies bringt natürlich ein hohes Maß an Verantwortung, Loyalität, Pflichten und Verpflichtungen mit sich. Die meisten Japaner denken, auch wenn sich das sozio-ökonomische Umfeld langsam ändert, noch immer in den alten Verhaltensnormen. Das ein Mitarbeiter einfach "gefeuert" wird, außer er hätte sich etwas schwerwiegendes zu Schulden kommen lassen, ist auch im heutigen Japan sehr ungewöhnlich. Beide Seiten, Arbeitnehmer und Arbeitgeber oder Vorgesetze arbeiten zusammen um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Dieses Model der Zusammenarbeit ist auch im heutigen Japan noch von großer Bedeutung.

Mehr als 70% der Universitätsabsolventen werden sogenannte "Salary Men"; ein japanisch-englischer Ausdruck der den typischen Angestellten einer Firma beschreibt. Das im Westen häufig als Zerrbild verstandene Bild des Herren im weißen Hemd mit kurzem Haarschnitt, dunklem Anzug, Firmenausweis, Krawatte und Aktenkoffer ist jedoch gar nicht soweit von der Realität entfernt. Dies hat auch Konsequenzen für das Auftreten als Geschäftsreisender in Japan, auf das im Punkt "Kleidung" noch eingegangen werden soll.

Die Mittagspause ist im allgemeinen sehr kurz und besteht aus einer kleinen Mahlzeit, die am Schreibtisch eingenommen wird. Das Mittagessen ist keine Gelegenheit um mit einem Kunden auszugehen oder mit Kollegen zu plaudern, dies geschieht nach der Arbeit.

Ein weiterer Gegensatz zur westlichen Gesellschaft ist, daß die Mitarbeiter das Büro nicht sofort nach Ablauf der offiziellen Arbeitszeit verlassen. Man verläßt das Büro nicht bevor der Chef es nicht verlassen hat und das bedeutet bisweilen häufige "Nachtschichten". Es gilt außerdem als peinlich der erste zu sein, der sich gewissermaßen "verdrückt". Viel der wirklich produktiven Arbeit wird nach der offiziellen Arbeitszeit geleistet - auch weil die Mitarbeiter dann informeller miteinander umgehen können. es macht durchaus Sinn länger im Büro zu bleiben, wenn Sie in Japan sind. Sie machen nicht nur Ihre Gruppenzugehörigkeit deutlich, Sie werden wahrscheinlich auch einen anderer Zugang zu Ihren Kollegen bekommen.

Für Japaner, die ständig mit diesem Arbeitsstil leben müssen, hat das natürlich auch weniger angenehme Folgen. Davon abgesehen, daß sie kaum ihre Rolle als Eheman und Vater wahrnehmen können, führt es auch zu einer sehr hohen Rate von Sterbefällen unter den 40 bis 50-jährigen Japanern. Japan ist wohl das einzige Land der Welt das karoshi kennt: den Tod durch Überarbeitung.